Die Kirsche auf der Sahnetorte

Was wir letzte Woche erlebt haben:

Unsere vergange Woche war besonders von 2 Sätzen geprägt:
Da wäre einmal der Satz, den wir diese Woche am meisten beantworten mussten:
“Warum seid ihr jetzt eigentlich hier?!“

Aber auch der Satz, den ich immer wieder, mit trauriger Stimme, den anderen zugesprochen habe:
“
Jungs, jetzt sind es nur noch wenige Tage.“

Montag am (29.07.) haben wir den Missionarischen Montag (also unser Ruhetag der Woche) genutzt, um in Eisenstadt richtig auszuschlafen. Danach mussten wir unsere Sachen packen, die schöne Wohnung in Eisenstadt aufräumen und dann nach Villach, Kärnten in der Nähe des Wörthersee, aufbrechen. Eine der größten Strecken bisher.
Untergekommen in Villach sind wir die Woche bei Wort des Lebens (WDL). Das ist ein christliches Kinder- und Jugendfreizeit-Haus und gehört zum Globalen „Word of Life“ Netzwerk mit eigener Bibelschule.
Angekommen wurden wir ganz herzlich von Katia und Rafael begrüßt. Sie wohnen mit ihren 3 kleinen Kindern in dem großen Gebäude von WDL. Sie stellte uns die Frage „Warum seid ihr jetzt eigentlich hier?!“  berichteten uns auch, dass das ganze Team von WDL bis Donnerstag Urlaub hat. Das machte es etwas herausfordernd, denn bei jeglicher Planung und Absprachen waren wir nun auf telefonische Absprache angewiesen.

Dienstag mussten wir erstmal das Ausscheiden von Deutschland aus der WM verkraften und konnten ausschlafen. Kurz nach Mittag waren wir dann in Villach bei einem Kindertag der evangelischen Kirche dabei. Dort lernten wir die  Gemeindepädagogin und den Jugendreferent der Kirche kennen.
Auch hier begegnete uns zuerst die Frage „Warum seid ihr jetzt eigentlich hier?!“
Doch sie waren sehr froh über unsere Hilfe und wir konnten jeder eine Station betreuen. Michi durfte mit den Kindern Dosen werfen, bei Tim mussten sie verschiedene Gegenstände erfühlen und bei mir (Rafael) Papierflieger basteln und Zielwerfen. Der Tag war von vielen Kindern besucht.

Mittwoch Vormittags sollten wir eigentlich beim ,,Kost Nix Laden’’ aushelfen. Doch das wurde uns am Abend vorher kurzzeitig abgesagt. Auch mit solchen kleinen Planänderungen kamen wir mittlerweile recht gut klar.
Der Kost Nix Laden ist eine Diakonische Arbeit von der FEG in Klagenfurt, wo kostenlos Kleidung, Bücher, Spielzeug und anderes verschenkt wird.
Mittwochnachmittag sind wir mit Jacob (ein amerikanischer Missionar von WDL) an den Silbersee gefahren, um zu evangelisieren. Wir nahmen uns einen Volleyball mit und konnten vor Ort eine kleine Gruppe Jugendliche einladen. Während des Spielens fiel es uns schwer, aber trotzdem konnten wir das Gespräch nach einer Weile zum Glauben drehen. Michi konnte das Evangelium erklären und sein Zeugnis teilen.
Abends hätten wir eigentlich zu einem Bibelkreis gehen sollen. Aber wir sind in den Jugendkreis der evangelischen Kirche gegangen, denn wir wurden spontan am Kindertag dazu eingeladen. Letztendlich erschracken wir etwas über den Jugendkreis. Denn der ganze Abend bestand aus gemeinsam essen, miteinander reden und Spiele spielen. Und wir fanden heraus, dass es jede Woche so ist. Christlichen Austausch, Interesse an Jesus, sowie bibeltreue Ansichten suchten wir vergeblich. Auf unser Nachfragen erklärten sie: „Wir haben es mal mit Andachten versucht, da hat aber keiner zugehört und dann haben wir es eben weggelassen.“
Während der Spiele nutzen wir immer wieder kleine Gelegenheiten, um Zeugnisse zu teilen, unsere Sicht des Glaubens zu erklären und einige durch Fragen zum Nachdenken anzuregen.
Wir sind mal wieder überrascht, wie Jesus unseren eigentlichen Plan spontan geändert hat und er uns gebraucht hat, um Licht zu sein. 

Donnerstagvormittags hatten wir dann die Chance nochmal zum Kostet Nix Laden nach Klagenfurt zu gehen. Auch hier begegneten wir zuerst der Frage „Warum seid ihr jetzt eigentlich hier?!“
Doch dann konnten wir während der Öffnungszeit praktisch helfen. Regale einräumen, Bücher aussortieren und ähnliches. Für Yolanda (die ehrenamtlich die Leitung des Ladens hatte) waren wir eine Gebetserhörung, wie sie uns erzählte, da ihr für solche Arbeiten meist gar keine Zeit bleibt, wenn vielen Kunden im kleinen Laden sind. Für uns war es ein spannender Einblick in eine uns bisher unbekannte, aber tolle Art der diakonischen und evangelistischen Arbeit.

Donnerstagnachmittags ging es für uns wieder an den See. Vor Ort trafen wir uns mit Jan. Ein Jugendlicher, der bei einigen Freizeiten des WDL dabei war. Unser eigentlicher Plan: wieder Volleyball spielen und evangelisieren.
Doch Jan brachte einen Freund mit und schon beim ersten Gespräch, als wir eine Runde im See schwimmen waren, erfuhren wir dass Paul (Jan’s Freund) nicht gläubig ist, aber seit kurzem interessiert ist und viel hinterfragt. Tim konnte ganz natürlich im Gespräch unter anderem das Evangelium erklären. Am Ende des Gesprächs kam Paul von selbst (oder gedrängt durch den Heiligen Geist) auf die Idee, dass er zusammen mit Jan mal Bibellesen möchte. Doch warum auf ein „Irgendwann mal“ warten?!
Wir spielten zusammen eine kleine Runde Volleyball und setzten uns anschließend zum Bibellesen zusammen. Paul schlug zum ersten Mal in seinem Leben die Bibel zufällig auf. Diese zufällige Stelle wollten wir dann gemeinsam lesen. Er öffnete Hebräer 1 …
Doch kein Zufall!  Wir lasen den ersten Abschnitt (also Hebräer 1,1-3).
3 Verse in denen simpel gesagt „die ganze Bibel zusammengefasst ist“
Tim und Michi blühten völlig auf und konnten so viel darüber erklären! Pure Heilsgeschichte und Evangelium eben. Nachdem über eine Stunde im Gespräch vergangen war, beteten wir gemeinsam und verabschiedeten uns. Paul bedankte sich und wollte uns am liebsten die Tage noch ein weiteres Mal treffen, doch das ging sich zeitlich leider nicht aus. Auch Jan bedankte sich bei uns und berichtete, dass wir auch für ihn eine Gebetserhörung waren, denn er wollte schon länger gern mit Paul Bibellesen.

Auf unserem Heimweg sind wir nochmal schnell zum SPAR gefahren, um Essen für die nächsten Tage einzukaufen. 5 Minuten vor Ladenschluss standen wir also an der Kasse. Hinter uns 4 Jugendliche, nur etwas jünger als wir. Als wir gewartet haben, nutzte Ich (Rafael) die Gelegenheit und sprach beide provokant an: „Was, wenn es Gott wirklich gibt?“.
Schnell wurde klar, hier sind wir genau den richtigen Personen über den Weg gelaufen. Einer war Ex-Moslem und nicht wirklich interessiert an einem Gespräch, aber der andere ist Christ und hilft aktiv in der Konfirmandenarbeit in einer Gemeinde mit. Wir bekamen gleich den Eindruck, dass er nur auf so ein Gespräch „gewartet“ hatte. Aber leider nicht wirklich im positiven Sinne… Ohne dass wir gesagt haben, dass wir eine Bibelschule besucht haben, fing er sofort an, uns mit den schwierigsten Glaubensfragen zu durchlöchern;
Ist Gott wirklich allmächtig? Hab ich einen freien Willen? Warum werden im AT ganze Völker vernichtet? Kann man der Bibel glauben, wenn sie von sündigen Menschen geschrieben wurde? … und viele mehr.
In dem Moment war ich (Rafael) sehr überrascht in welche Richtung das Gespräch verlief und war sehr froh, dass Tim und Michi noch die Kraft hatten, am späten Abend, liebevoll diese Fragen zu beantworten. Im Verlauf des Gesprächs stellte sich heraus, dass er den Wert eines Christen davon abhängig macht, wie viel Wissen dieser hat. Und auch das Heil verstand er vermutlich nicht als Geschenk, sondern eher als Verdienst. In diese Situation konnten wir hineinsprechen und auf die Gnade von Jesus hinweisen, was ihn kurzzeitig zum Nachdenken anregte.
Als wir nach dem etwa 1h Gespräch endgültig unsern Tag beendeten und heimfuhren, haben wir das Gespräch nochmals reflektiert. Uns hat es wirklich erschreckt zu wissen, dass er Konfiarbeit macht. Wir beten dafür, dass er die Menschen, die erst neu im Glauben sind, nicht auch so herausfordert und verunsichert durch seine Fragen.

Freitagvormittag nahmen wir uns selbst einen „Urlaubstag“. Vormittags Klettersteig; Mittag waren wir beim Restaurant gegenüber und am Nachmittag waren wir bei Kurt Schneck eingeladen. Kurt ist ein Lehrer, der bei uns auf Bibelschule 2 Wochen unterrichtete. Wir durften sehr herzliche Gastfreundschaft, sowie eine atemberaubende Aussicht und tiefe theologische Gespräche genießen.

Samstag. Das Finale! Unser letzter Einsatztag als Österreichmissionare des Praxissemesters ’26.
Vormittags sind wir ein 3. und letztes Mal an den See gefahren. Wieder mit Jacob und Volleyball im Gepäck. Doch diesmal waren, wegen eines Turniers, alle Volleyballnetze belegt. Und auch die anderen Seebesucher begegneten uns an diesem Vormittag ausschließlich mit Ablehnung. Naja. Etwas traurig schüttelten wir uns den Sand von den Füßen gingen Heim und aßen Mittag. Am Nachmittag sind wir nach Velden gefahren. Eigentlich hofften wir auf ein angekündigtes (Bentley-) Autotreffen und wollten somit bei den vielen Besuchern evangelisieren. Nachdem wir vergeblich suchten, blieb es bei einer schönen Stadtbesichtigung und einem einzelnen evangelistischen Gespräch. Doch auch das eine Gespräch war sehr gut. Es war ein anderer Autofotograf mit dem ich (Rafael) super ins Gespräch kommen konnte und später über unseren Glauben sprechen durfte.
Nochmals leicht enttäuscht sind wir Heimgefahren. Eigentlich mit der Intention, den Tag und somit die Einsatzzeit des Praxissemesters zu beenden. Doch irgendetwas hat mich nicht losgelassen. An diesem Samstag fand in Villach die Pride Parade (ein CSD) statt. Dazu wurden wir schon im Jugendkreis am Mittwoch eingeladen.
Also sind Michi und Ich (Rafael) nochmals in die Stadt gegangen, um vielleicht ein paar Leute der Parade anzusprechen und das Evangelium zu teilen. In der Stadt war so gut wie nichts mehr los, denn es gab eine Aftershow-Party innerhalb des Kulturhauses in Villach. Doch als wir vor dem Kulturhof standen und überlegten, dort reinzugehen, überkam uns beide plötzlich ein ganz unwohles und drückendes Gefühl. Doch wir konnten das nicht ganz einordnen. War es das Bewusstsein, dass wir hier nicht Willkommen sind? Geistlicher Kampf? Oder vielleicht Jesus, der uns davor schützen möchte, hineinzugehen?
Um uns selbst zu schützen, entschieden wir uns nicht reinzugehen, blieben vor dem Gebäude stehen und beteten für (oder besser gesagt; ‘‘gegen’’) die Menschen und die Veranstaltung.
Nach einer guten Stunde traten wir endgültig den Heimweg an. Um ehrlich zu sein, war ich (Rafael) sehr enttäuscht. In mir kam die Frage auf: Warum seid ihr jetzt eigentlich hier?!
Als wir durch die Stadt zurückliefen, fiel Michi ein Mann auf, der einzeln am Rand stand. Michi spürte den Eindruck, ihn anzusprechen, ging auf den Mann zu und fragte, ob es was in seinem Leben gibt, wofür wir beten können. Wir durften dafür beten, dass er neue Kraft bekommt und Müdigkeit verschwindet. Darauf antwortete er: ,,Das ist das Beste was mir gerade hätte passieren können’’
Sprachlos und voller Freude, dass wir an dem Tag doch noch erleben durften, wie der Herr uns gebraucht hat, ging es weiter heim. Doch Michi sagte, der Missionseinsatz ist erst ‚beendet‘, wenn wir nach den kommenden 15 Minuten Fußweg ins Auto eingestiegen sind. Und genau das dachte sich wahrscheinlich auch Gott für uns.
Wenige Meter vor unserem Auto kam uns ein Mann mit düsterem Aussehen entgegen. Michi sprach ihn an. ,,Was wenn es Gott wirklich gibt?’’
Der Mann schüttelte mit dem Kopf, drehte sich weg und sagte empört: ,,Weiß ich auch nicht“, als er schon einige Schritte weiterging. Michi sagte: ,,Frag Gott einfach! Er kann sich dir zeigen!’’ Plötzlich rief der Mann mit einer extrem tiefen, kratzigen und unverständlichen Stimme uns etwas wie: ,,Das glaube ich nicht!’’ oder ,,Das wird er nicht!’’ hinterher. Als ich diese veränderte Stimme hörte, bekam ich sofort Gänsehaut. Michi und ich schauten uns erschrocken an. Wir sagten kein Wort zueinander, sondern begannen beide sofort damit, laut zu beten, als wir uns wieder zu ihm umdrehten. Uns war es schon bewusst, aber als wir sahen, dass der Mann, ohne sich noch einmal umzudrehen, wegging und dabei ständig mit seiner Hand zuckte, bestätigte sich für uns: Wir haben gerade einen Dämon sprechen gehört.
Wir blieben noch einen Moment stehen und schauten dem Mann schweigend und im Gebet hinterher. Erstaunlicherweise stellten wir danach fest, dass wir beide bis auf den kurzen Schreckmoment am Anfang keinerlei Angst spürten. Dafür lobten wir Gott, denn wir durften spüren, dass wir mit Jesus an der Seite nichts zu befürchten haben! 
Uns wurde ganz neu bewusst wie real die geistliche Welt ist und das wir auch im Praxissemester nicht nur gegen Fleisch und Blut, sondern gegen böse Mächte und Gewalten kämpfen. 
Wir stiegen ins Auto und fuhren heim. Als wir zurück bei WDL waren, berichteten wir Tim von den Erlebnissen.

An diesem letzten Tag erhoffte ich mir insgeheim nochmal ein Highlight. Und Gott war so gnädig mit uns und erfüllte uns diesen Wunsch.
Trotz anfänglicher Enttäuschung wendete Gott ganz zum Schluss den Tag doch noch einmal zu einem, den wir vielleicht nie vergessen werden. Wir durften einen kleinen Einblick in die geistliche Welt bekommen und spürten, dass wir mit Jesus an der Seite nichts zu befürchten haben! Die Woche war für uns eine richtige Kirsche auf der Sahnetorte.

Im Anschluss erklärten wir dann unseren Missionseinsatz endgültig für beendet.
In dem Moment dachten wir das zumindest…

Was nächste Woche ansteht:

Das Praxissemester geht zu Ende. Wie schnell doch diese Zeit verging…

Am folgenden Tag, Sonntag (05.07.), geht’s dann zurück ans Schloss für unsere letzte, die Re-entry Woche. Dann werden wir viel Reflektieren und Auswerten. Aber auch uns auf unseren Alltag Zuhause vorbereiten und sicherlich auch ein bisschen die vergangene Zeit gemeinsam feiern. 

Aber was uns am allermeisten freut und was wir kaum erwarten können: Wir sehen die diesjährigen „Kenianer“ wieder!! <3  Grüße gehen raus ans Team Kenia vom Praxissemester ’26

Wir melden uns nächste Woche noch einmal für einen abschließenden letzten Blogbeitrag. Bis dahin!

Unsere Gründe zum Danken und Bitten:

Dank

– Für alle von WDL, sowie für Katia und ihre Familie, dass sie sich für uns Zeit genommen haben, obwohl sie im Urlaub waren
– Das wir bei Familie Schneck eingeladen wurden sind
– Für jede Begegnung die wir hatten
– Das wir mit Paul und Jan Bibellesen durften
– Das Gott die letzte Woche nochmal zu einer Highlightwoche gemacht hat
– Das wir die ganze Zeit bisher ohne Krankheit und Verletzung durchstanden haben


Bitte

– Das jede unserer Begegnungen die Menschen weiterhin zum Nachdenken anregt und Gott Frucht schenkt
– Das Paul weiterhin interessiert daran ist Bibelzulesen
– Für die Gemeinden vor Ort, dass sie wieder mehr am Wort Gottes festhalten
– Für Bewahrung auf der letzten Fahrt zum Schloss
– Für eine gesegnete Woche am Schloss mit konstruktivem Feedback

 

Unser letzter Standort:

Brush Brush
bisher gefahrene Kilometer

4124km

Vielen Dank für euer Gebet.
Seid reich gesegnet!

 
Euer Team Österreich