Ein letztes Mal…

  • für 5 Stunden in einem Gottesdienst sitzen und nicht wissen, was als Nächstes passiert

  • frei in einer Schule von Jesus erzählen

  • „Mzungu“-Rufe hören

  • wie ein Promi fühlen 😉, wenn man mit dem Boda an Leuten vorbeifährt und manche dich erstaunt anschauen, winken und rufen

  • mit Boda-Fahrern um einen guten Preis verhandeln

  • in eine Kirche kommen, wo die Lautstärke der Musik einem einen Gehörsturz verpasst

  • spontan predigen, weil die bible study ein Gottesdienst wurde

  • einen Übersetzer brauchen, um dem Gottesdienst zu folgen

  • klatschen, obwohl man nicht verstanden hat, worum es geht

  • das Gefühl haben nicht schick genug angezogen zu sein, weil die jungen Mädels Ballkleider zum Gottesdienst tragen

  • ein „Word of Encouragement“ geben

    Worte der Ermutigung

  • schmunzeln, wenn ein Endzeitpunkt festgelegt wurde und der durch das Programm um eine Stunde verschoben wird

  • von den Frauen mit „Leudi?“ begrüßt werden

    Dinka für „Wie geht es dir?“ – Antwort „Aschinkerasch“ = „Gut“

  • herzlich und liebevoll von den Frauen ausgelacht werden, weil man die Antwort nicht richtig ausspricht

  • traurig sein, weil man sich nicht ohne Übersetzer mit den Frauen unterhalten kann

    Handbewegungen und Lachen klappen trotzdem

  • um ein Foto gebeten werden von einer Person, die man noch nie gesehen hat

  • fast erblinden, weil man bei den Fotos in die Sonne schauen muss

  • lila Fanta trinken, die einfach aus purem Zucker besteht

  • die Straße im Camp „genießen“

    Es ist sehr uneben, aber mit dem Motorrad ist es lustig

  • kurz die Luft anhalten, weil man nicht weiß, ob der Boda-Fahrer auch wirklich mit 2 Personen hinten drauf den Berg aus dem Flussbett hochkommt

  • Rolex kaufen und genießen

    Pfannkuchen mit Ei, Zwiebeln, Gewürzen und Tomaten für 50KSH

  • von Kindern angebettelt werden

  • "How are you?“ hören und keine Antwort bekommen, wenn man zurückfragt

  • die besten Brote überhaupt essen

    Naomi hat uns gezeigt, wie man sie zubereitet, sie ist eine Freundin aus dem Camp

  • Kevin den Hahn morgens krähen hören

  • das Zimmer auskehren und dabei einen toten Skorpion oder eine tote Heuschrecke finden

  • hören, wie dein Name ununterbrochen von den Turkanakindern hinter dem Zaun gerufen wird, wenn sie Wasser brauchen oder ein Handy aufladen wollen

  • bemerken, dass Bock (männliche Ziege), deine Fliegengittertür zerstört hat

  • das Bad durchkehren und dabei von 100 kleinen Mücken attackiert werden, weil man ihren Ruheort aufgescheucht hat

  • Ziegenkot von der Veranda kehren

  • eine Runde durch das Turkanadorf laufen und sich dabei auch wie „ein Promi“ fühlen, weil alle Kinder dich freudig begrüßen und manche dich auf deinem Spaziergang begleiten

  • ein Kind auf dem Rücken tragen, weil es sich auf dem Weg am Fuß verletzt hat

  • freudig ausgelacht werden, wenn man Kisuaheli spricht

  • eine Andacht im Radio halten

  • beobachten, wie Bock (besagte Ziege) versucht, auf den Tisch zum Essen zu klettern

  • Bock aus dem Esszimmer rausschieben

  • lachen, wenn Bock es wieder ins Esszimmer schafft und dann seinen Platz unter der Bank einnimmt

  • zu viert gequetscht ohne Helm auf einem Motorrad fahren

  • alle zusammen auf der Veranda Zähne putzen

  • abends unter das Mückennetz kriechen

  • zu viert auf 3 Sitzen im Auto sitzen, ohne sich anzuschnallen

  • die Sonne über dem wunderschönen Afrika aufgehen sehen

Wir haben diese Woche viel zum letzten Mal gemacht. Es war eine Woche, wo wir einiges noch mehr wertgeschätzt haben. Außer einigen Verabschiedungen (Schule, Camp, Turkanadorf) durften wir diese Woche noch praktisch werden und ein paar Sachen für Joshua und Carl erledigen. Die Jungs haben zum Beispiel den Hühnerstall wieder gerade hingestellt. Jana und Lara haben ein paar Pfosten der Kirche nochmal nachlackiert.

Am Dienstag waren wir zum letzten Mal im Camp. Dort haben wir neben Abschlussreden auch eine spezielle Abschlusszeremonie erleben dürfen. Die Frauen der Gemeinde haben uns bei Gesang und Tanz feierlich mit der Kleidung der Gemeinde eingekleidet. Dabei haben wir auch selbstgemachte Armbänder und Ketten angelegt bekommen. Danach wurden wir mit zum Tanzen eingeladen und von allen nochmal gedrückt. Zum Schluss haben wir noch ein Gruppenbild mit allen Frauen und Jugendlichen aus den vier FEBAC Gemeinden des Flüchtlingslagers gemacht. Bevor wir leider losfahren mussten, konnten wir uns noch entspannt zu den Leuten dazusetzen und eine Soda trinken und uns unterhalten. Mit den Frauen leider nur mit Gestik und Mimik, mit den Jugendlichen auf Englisch. Es ist voll spannend gewesen, zu merken, wie einem die Leute ans Herz gewachsen sind und welche Freundschaften sich gebildet haben, obwohl man manchmal nicht dieselbe Sprache spricht.

Jannus und Lara sind am Donnerstag für letzte Einkäufe in die Stadt gefahren. Wir haben eine ganz spezielle Mission verfolgt: Ein Huhn für Carl besorgen. Damit Carl uns als Team nicht vergisst, wollten wir ihm ein lebendiges Erinnerungszeichen schenken, von dem er sogar Nutzen haben kann. Aber es ist gar nicht so leicht, in Kakuma ein Huhn zu besorgen. Vor allem dann nicht, wenn man weder die Preise für ein Huhn kennt noch einen Huhnverkäufer und die Sprache nicht spricht. Aber all das hat uns nicht davon abgehalten, es doch noch zu versuchen. Zuerst sind wir durch alle uns bekannten Ecken in Kakuma Town gelaufen, auf der Suche nach einem Huhn. Wenn wir ein bekanntes Gesicht gesehen haben, haben wir nachgefragt, wo man ein Huhn besorgen kann. Aber leider konnten unsere dortigen Freunde uns da auch nicht wirklich weiterhelfen. Also haben wir uns in uns unbekannten Ecken Kakumas umgeschaut. Eine nette Ladenbesitzerin hat uns dann zu ein paar Kindern geführt, von denen eins uns zu zwei Männern geführt hat, die uns wiederum zu einer Frau geführt haben, die Hühner verkauft hat, nachdem wir im Zickzack dreimal durch die Stadt gelaufen sind. Insgesamt fanden alle es irgendwie lustig, dass wir zwei Ausländer ein Huhn kaufen wollten. Die Frau hatte einige große Hähne, von denen sie gleich einen gefangen und uns angeboten hat. Aber da wir wussten, dass Kevin (Carls Hahn) Konkurrenz bestimmt nicht mögen würde, haben wir uns für eine Henne entschieden. Die haben wir gekauft und nach Hause gebracht. Ist jemand von euch schonmal mit einem Huhn Motorrad gefahren? Es ist eine interessante Erfahrung. Mit Jackson als Fahrer aber sehr zu empfehlen. Das Huhn fands auch ganz schön, es saß entspannt auf Laras Schoß. Daheim angekommen, haben wir Carl sein Geschenk feierlich überreicht. Aber nicht nur das, das Huhn wurde von uns auch mit einem Namen versehen: Goatsmilk (Ziegenmilch). Carl liebt nämlich Ziegenmilch und was würde ihn dann besser an unsere Zeit bei ihm erinnern, als ein Huhn mit einem originellen Namen?

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An unserem letzten gemeinsamen Abend haben wir spontan noch zusammen mit Carl eine Spritztour in die Stadt gemacht. Wir waren in einer grünen Gartenoase eines Hotels Eis essen. Unsere Boda Fahrer haben wir auch mit eingeladen und somit einen schönen letzten Abend mit Worten der gegenseitigen Ermutigung verbracht.

Am Freitag starteten wir früh morgens den langen Heimweg. In Lodwar, unserem ersten Zwischenstopp, trafen wir zufällig noch Simon. Er hatte uns in den ersten Wochen täglich ins Camp gefahren. Hilfsbereit hat er uns zum nächsten Supermarkt gefahren, da wir noch Zeit bis zum Flug hatten. Nachdem wir in Nairobi gelandet sind, haben wir den restlichen Tag in einem Einkaufszentrum verbracht und unsere Mägen auf die westliche Küche vorbereitet mit Pizza und Burger. Nach zwei langen Flügen und wenig Schlaf sind wir am Samstagmittag sicher in Wien gelandet. Das Gepäck hat es aber nur bis nach Istanbul geschafft. Trotzdem sind wir nach einem Zwischenstopp beim Döner munter am Schloss angekommen.

Einblick von Julia:

Für mich war die Zeit hier in Kakuma mit Höhen und Tiefen verbunden. Ich wurde auf eine andere Art und Weise herausgefordert, als anfangs meine Befürchtungen waren. Ich durfte lernen, nicht in Umständen meine Sicherheit zu suchen, sondern allein in Gott. Wie es in Psalm 27 heißt: „Der Herr ist meine sichere Burg, vor wem sollte ich fürchten?“ Das darf nun mehr und mehr Realität in meinen Gedanken und meinem Herzen werden.

Was mich sehr berührt hat diese Woche, war die Dankbarkeit der Kinder in der Schule und den Mitgliedern der FEBAC – Gemeinden, in denen wir dienen durften. Die Kinder waren voller Freude und Aufmerksamkeit beim Schulprogramm dabei. Beim Abschied kam ein Mädchen auf mich zu und meinte, sie würde mich vermissen. Das sind die Momente, wo man weiß, es hat sich gelohnt hier gewesen zu sein.

Dank

  • trotz Verspätung haben wir in Istanbul unseren Anschlussflug erreicht
  • sicheres Ankommen am Schloss
  • Marlena kann an unserer Abschlusswoche teilnehmen
  • schönes Wetter
  • gutes Essen

Bitte

  • Ankunft des Gepäcks, welches den Flug nach Wien nicht geschafft hat
  • weitere Genesung für Marlenas Finger
  • gute Gedanken und Erkenntnisse in der Reflexion der Zeit
  • guter Abschluss am Schloss